Das Auge gehört zu den Organen, die besonders stark oxidativem Stress ausgesetzt sind: UV-Licht, hoher Sauerstoffumsatz und die ständige Exposition gegenüber der Umwelt erzeugen laufend freie Radikale, die Hornhaut, Linse und Netzhaut schädigen können. Oxidativer Stress spielt eine Schlüsselrolle bei häufigen Augenerkrankungen — von der Katarakt (Grauer Star) über das Trockene Auge bis zur Retinitis Pigmentosa, einer fortschreitenden Netzhautdegeneration. Drei Studien haben bisher untersucht, ob molekularer Wasserstoff die Augen schützen kann — über ganz unterschiedliche Wege: als Spüllösung während einer Operation, als Nahrungsergänzungsmittel und als wasserstoffreiches Trinkwasser.
Ergebnisse aus Humanstudien
Bei der Operation des Grauen Stars (Phakoemulsifikation) — einem der häufigsten chirurgischen Eingriffe weltweit — erzeugt der Ultraschall freie Radikale, die die empfindliche Hornhautinnenschicht (Endothel) schädigen können. Eine prospektive, randomisierte und doppelblinde Studie untersuchte, ob Wasserstoff diesen Schaden verringern kann: Bei 32 Patienten mit beidseitigem Grauen Star wurde ein Auge mit einer H2-angereicherten Spüllösung operiert, das andere mit der herkömmlichen Lösung — jeder Patient war damit seine eigene Kontrolle. Nach drei Wochen hatte die Hornhautinnenschicht im H2-Auge nur 8,5 % ihrer Zellen verloren, im Kontrollauge dagegen 18,4 % (p = 0,004; siehe Grafik rechts). Der Schutzeffekt war zu allen Messzeitpunkten signifikant. Veröffentlicht im American Journal of Ophthalmology. (Igarashi, 2019)
Eine weitere Studie widmete sich dem Trockenen Auge, einer Erkrankung, an der weltweit immer mehr Menschen leiden — nicht zuletzt durch die zunehmende Bildschirmarbeit. In einer randomisierten Crossover-Studie nahmen 10 Probanden ein wasserstoffgenerierendes Nahrungsergänzungsmittel ein. Die Einnahme erhöhte nachweislich die H2-Konzentration in der Ausatemluft (p < 0,01), was die systemische Aufnahme des Wasserstoffs bestätigt. Die Tränenstabilität — also die Zeit, bis der Tränenfilm auf dem Auge aufreißt — verbesserte sich hochsignifikant (p = 0,0004; siehe Grafik unten) und auch die Symptome des Trockenen Auges gingen zurück. Die Autoren betonen allerdings den explorativen Charakter der Studie mit nur zehn Teilnehmern und empfehlen größere Folgestudien. (Kubota, 2021)

Endothelzellverlust der Hornhaut-Innenschicht nach Katarakt-OP: Im H2-Auge gingen nach drei Wochen nur 8,5 % der Zellen verloren, im Kontrollauge 18,4 % (p = 0,004). Eigene Darstellung nach Igarashi et al., 2019Die bislang einzige Studie an einer Netzhauterkrankung untersuchte Retinitis Pigmentosa — eine fortschreitende Degeneration der Photorezeptoren, für die bisher keine wirksame Therapie existiert. 13 Patienten (24 Augen) tranken über vier Wochen zweimal täglich 400–500 ml wasserstoffreiches Wasser. Die Sehschärfe (BCVA) verbesserte sich signifikant. Auch die Netzhautfunktion, gemessen mittels Elektroretinogramm (ERG), zeigte deutliche Verbesserungen: Sowohl die Amplituden als auch die Antwortzeiten mehrerer Dunkel- und Lichtadaptations-Reize besserten sich signifikant. Augeninnendruck, Netzhautdicke und Aderhautdicke blieben aber unverändert. Und die Studie hatte allerdings keine Kontrollgruppe. (Chen, 2023)
Tränenstabilität (a) und Tränenmeniskushöhe (b) nach Einnahme eines H2-Supplements (grau) vs. Mineralwasser (schwarz). Die Tränenstabilität verbesserte sich unter Wasserstoff hochsignifikant (p = 0,0004). Kubota et al., 2021
