Wasserstoff bei Lungenerkrankungen

Die Lunge ist als Schnittstelle zur Außenluft dauerhaft Schadstoffen und hohen Sauerstoffkonzentrationen ausgesetzt — und entsprechend stark der oxidative Belastung durch freie Radikale ausgesetzt. Bei Erkrankungen wie COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Lungenfibrose oder akuten Lungenschädigungen verstärken freie Radikale die Gewebeschädigung, befeuern Entzündungsprozesse und beschleunigen den Funktionsverlust.

Die Inhalation bringt Wasserstoff auf dem direktesten Weg ins Lungengewebe — genau dorthin, wo die Entzündung sitzt. Im Gegensatz zu Wirkstoffen, die erst über den Blutkreislauf zur Lunge gelangen müssen, wirkt eingeatmeter H2 unmittelbar in den Atemwegen und kann dort die Entzündungsprozesse bremsen, die das Gewebe angreifen. 12 Humanstudien mit über 1300 Patienten haben die Wirkung von Wasserstoff bei verschiedenen Atemwegserkrankungen untersucht:

Ergebnisse aus Humanstudien

Die bislang stärkste Studie untersuchte COPD: In einer doppelblinden, multizentrischen RCT an 10 Krankenhäusern wurde ein H2/O2-Gemisch mit reiner Sauerstofftherapie (jeweils 3 l/min) verglichen. 108 Patienten mit akuter COPD-Verschlechterung inhalierten rund 6 Stunden täglich über 7 Tage. Die Atemwegssymptome — insbesondere Husten, Auswurf und Atemnot — besserten sich in der H2-Gruppe signifikant stärker (s. Grafik rechts); der CAT-Gesamtscore verbesserte sich sogar hochsignifikant (p < 0,001). Die objektiven Lungenfunktionswerte (FEV1, FVC) zeigten allerdings keinen wesentlichen Unterschied. (Zheng, 2021)

Auch bei Lungenfibrose liegen positive Daten vor: In einer randomisierten kontrollierten Studie tranken 87 Patienten mit früher interstitieller Lungenerkrankung über 48 Wochen wasserstoffreiches Wasser. Im CT zeigten sich bei 64 % der H2-Patienten Rückbildungen der Lungenveränderungen — gegenüber 40 % in der Kontrollgruppe. Auch die Funktionswerte der Lunge verbesserten sich deutlich. (Tang, 2023)

Dass H2-Inhalation auch bei Asthma die Atemwegsentzündung reduzieren kann, zeigte eine Pilotstudie mit 20 Patienten (Asthma und COPD): Bereits nach einer einzigen 45-minütigen H2-Inhalation sanken die Entzündungsmarker in Blut und Atemluft signifikant. (Wang, 2020)

Bei Patienten mit akuter schwerer Atemwegsverengung (Trachealstenose) wirkt H2 über einen zusätzlichen physikalischen Mechanismus: Da ein H2/O2-Gemisch deutlich leichter ist als Luft, senkt es den Atemwegswiderstand direkt. In einer prospektiven Studie inhalierten 35 Patienten im direkten Vergleich vier Phasen nacheinander: Luft (15 min), H2/O2 mit 6 l/min (15 min), reinen Sauerstoff mit 3 l/min (15 min), dann erneut H2/O2 (120 min). Die Atemanstrengung (gemessen per Zwerchfell-EMG) sank in beiden H2/O2-Phasen um rund 10,5 % — während reiner Sauerstoff keinen Unterschied zur Luft zeigte. Auch die subjektive Atemnot und der Atemwegswiderstand besserten sich nur unter H2/O2. (Zhou, 2019)

Lungenkrebs

Die Lunge als umgekehrter Baum — die Bronchien verzweigen sich wie Äste in die Lungenflügel, die Luftröhre bildet den Stamm

Die Lunge als Bronchialbaum: Die Luftröhre verzweigt sich in immer feinere Äste — die Bronchien — bis in die kleinsten Lungenbläschen. Über dieses Netzwerk gelangt eingeatmeter Wasserstoff direkt ins Lungengewebe.

BCSS-Symptomscore bei 108 COPD-Patienten über 7 Tage — alle Patienten (FAS), Wasserstoff/Sauerstoff-Gruppe vs. reine Sauerstoff-Gruppe (Zheng 2021)

BCSS-Symptomscores (Atemnot, Husten, Auswurf) bei 108 COPD-Patienten über 7 Tage, niedriger = besser. Die H2/O2-Gruppe (blau) zeigte eine stärkere Verbesserung als die reine Sauerstoff-Gruppe (grau). Zheng et al., 2021

Auch bei Lungenkrebspatienten besserten sich die Atemwegssymptome unter H2-Inhalation: 58 Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs inhalierten über fünf Monate täglich 4-5 Stunden H2/O2-Gas. Husten, Atemnot und Brustschmerzen nahmen ab, während alle Symptome in der Kontrollgruppe — die reinen Sauerstoff inhalierte — zunahmen (s. Grafik rechts). Auch das progressionsfreie Überleben war nach 16 Monaten in der H2-Gruppe länger. (Chen, 2020)

Eine Beobachtungsstudie untersuchte die Kombination von H2-Inhalation mit der Immuntherapie Nivolumab bei Lungenkrebs: 42 Patienten erhielten H2 zusätzlich zu Nivolumab, 14 Patienten nur Nivolumab. Das Gesamtüberleben war in der H2-Gruppe erkennbar länger — die Studie war allerdings nicht randomisiert. (Akagi & Baba, 2020)

COVID-19 und Post-COVID

Besondere Aufmerksamkeit erlangte die H2-Therapie während der COVID-19-Pandemie: In einer multizentrischen Studie inhalierten 90 Patienten mit COVID-19 ein H2/O2-Gasgemisch. Krankheitsschwere, Husten, Brustschmerz und Sauerstoffsättigung verbesserten sich deutlich (s. Grafik unten) — die Ergebnisse flossen in die offiziellen chinesischen Behandlungsleitlinien ein. (Guan, 2020)

Eine weitere multizentrische RCT bestätigte den Effekt bei der Omikron-Variante: 64 Patienten wurden randomisiert auf H2/O2-Inhalation oder reine Sauerstofftherapie verteilt. In der H2-Gruppe wurde der PCR-Abstrich schneller negativ, der Entzündungsmarker IL-6 sank deutlich, und die Lymphozytenzahl stieg bereits am dritten Tag um 61 % an. Auch die Lungenveränderungen im CT bildeten sich häufiger zurück. (Shi, 2023)

Eine retrospektive Studie an 3 Zentren wählte aus 180 stationären COVID-Patienten per Propensity-Score-Matching 88 vergleichbare Fälle aus (33 mit H2/O2-Inhalation, 55 mit reiner Sauerstofftherapie). Die H2-Gruppe wurde früher entlassen — nach 21 Tagen waren 94 % entlassen gegenüber 75 % unter reinem Sauerstoff (s. Grafik rechts). Die Sauerstoffsättigung stieg nach 5 Tagen Therapie in der H2-Gruppe deutlich stärker an. (Zeng, 2023)

Für die Zeit nach der Erkrankung lieferte eine placebokontrollierte Studie mit 50 Post-COVID-Patienten überzeugende Ergebnisse: Nach 14 Tagen H2-Inhalation stieg die Gehstrecke im 6-Minuten-Test stieg in der H2-Gruppe um 64 Meter (Placebo: nur 9 Meter), und die Lungenfunktionswerte verbesserten sich nachweislich. (Botek, 2022)

Auch bei Long-COVID-Fatigue zeigt Wasserstoff Wirkung: In einer einfachblinden RCT tranken 32 Patienten über 14 Tage wasserstoffreiches Wasser. Die Müdigkeit ging signifikant zurück, ebenso deutlich verbesserten sich Gehstrecke und Schlafqualität. Die Atemnot zeigte zwar einen Trend, besserte sich aber nicht in gleichem Maße. (Tan, 2024)

Zwei Liniendiagramme zeigen tumorbedingte Symptome bei Lungenkrebs über 5 Monate: Kontrollgruppe mit reinem Sauerstoff (Gruppe A) — alle Symptome steigen; H₂-Inhalationsgruppe (Gruppe B) — alle 5 Symptome sinken deutlich (Chen 2020)Symptome bei Lungenkrebspatienten über 5 Monate: Sauerstoff-Kontrollgruppe (A) vs. H2-Inhalation (B). In Gruppe B besserten sich alle 5 Symptome signifikant — in Gruppe A nahmen sie derweil zu. Chen et al., 2020

Kaplan-Meier-Kurve zur Krankenhausverweildauer bei COVID-19-Patienten: H₂/O₂-Gruppe (rot) wird schneller entlassen als Sauerstoff-Kontrollgruppe (blau) — 50 % entlassen nach 12 vs. 13 Tagen (Zeng 2023)Krankenhausverweildauer bei COVID-19-Patienten: H2/O2-Gruppe (rot, n = 33) vs. Sauerstoff-Kontrollgruppe (blau, n = 55). 50 % entlassen nach 12 vs. 13 Tagen; nach 21 Tagen: 94 % vs. 75 % entlassen. Zeng et al., 2023

Allerdings zeigte die bislang größte Studie zum Thema keinen Effekt: In einer Phase-3-RCT mit 675 ambulanten COVID-Patienten (dreifachverblindet, multizentrisch) trank die Behandlungsgruppe über 21 Tage zweimal täglich je 250 ml wasserstoffreiches Wasser. Eine klinische Verschlechterung trat in beiden Gruppen gleich häufig auf (46 % vs. 44 %). Zu beachten: Die Studie nutzte Trinkwasser — nicht die in den anderen COVID-Studien eingesetzte Inhalation, die Wasserstoff direkt in die Lunge bringt. (Gaboreau, 2024)

Verbesserung in 6 Endpunkten bei 90 COVID-19-Patienten — Wasserstoff/Sauerstoff-Gruppe vs. Kontrollgruppe an Tag 2, Tag 3 und Behandlungsende (Guan 2020)

Verbesserung bei 90 COVID-19-Patienten in 6 Kategorien: Krankheitsschwere (oben links), Atemnot (oben Mitte), Husten (oben rechts), Brustenge (unten links), Brustschmerz (unten Mitte) und Sauerstoffsättigung (unten rechts). H2/O2-Gruppe (rot) vs. Kontrollgruppe (blau) an Tag 2, Tag 3 und Behandlungsende (EOT). Die H2-Gruppe zeigte in allen Endpunkten eine signifikant stärkere Verbesserung (* p < 0,05; ** p < 0,01). Guan et al., 2020


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